Hilfe: Bildkomposition
6. Sep. 2009Am Anfang steht ein Punkt. Anschließend kommen weitere Punkte dazu und unser Gehirn bildet daraus eine Linie.
Vor ca. einem Jahr saß ich in einem Seminar über Bildkomposition und hörte genau diese zwei Sätze. So einfach wie sie sind, aber am Ende steht immer: unsere Auge hangeln sich an Punkten entlang und das Gehirn bildet daraus Linien.
In der folgenden Hilfe zeige ich einzelne Beispiele wie man Punkte so an einander stellt, das unser Gehirn es leicht hat, daraus Linien zu erkennen.
Beispiel 1
Ein Feld am Dresdener Stadtrand. Wenn man es einfach nur so fotografieren würde, ist es eher unspektakulär. Die vielen Weizenhalme sind für das Auge zu viele Informationen und der Betrachter verliert schnell die Lust. Zu dem sind die Punkte in einer geometrisch ungünstigen Form angeordnet.

Nimmt man die Baumallee im Hintergrund mit in das Bild, erzeugt man eine anderen Blickwinkel und das Weizenfeld rückt in den Hintergrund. Die meisten Menschen wenden ihren Blick über ein Bild von Links nach Rechts. Damit hat das Gehirn ein leichtes Spiel aus den gut 19 einzelnen Bäumen eine Linie zu erzeugen.

Um das Bild nicht mit zu vielen Informationen (Punkten) zu überlagern, nutze ich eine Blende f1.8. Durch die Tiefenunschärfe wird die Sichtbarkeit des Weizenfeld weiter verkleinert und das Auge bleibt an der Baumallee hängen. Das Weizenfeld ist dabei der ideale Partner, um das Bild nach unten hin abzurunden.
Resultat mit einem Cokin Filter, Orange Farbverlauf:

Beispiel 2
Linien können auch geometrische Figuren wie z.Bsp. das Dreieck ergeben. Dabei bilden die Punkte Linien und die Linien die Schenkel eines Dreiecks.

Auch hier hangelt sich das Auge an den drei Eckpunkten entlang und fertig ist ein Dreieck, im Gehirn.
Resultat mit einem Canon EF 50mm, Blende 1.8:

Beispiel 3
Gehen wir einen Schritt weiter. In Bildern können auch mehrere Formen von Linien vorkommen, ohne das dabei das Bild unangenehm zu betrachten ist. So z.Bsp. die Kombination aus Linie und Viereck. Gibts nicht? Und ob ...
Wir haben eine Hochzeitgesellschaft und die Gäste sollen in Bildern festgehalten werden. Damit ein gewisser "Mitmach-Effekt" eintritt, müssen die Gäste einen alten Bilderrahmen hochheben und sich darin positionieren. Dabei ist der Rahmen gleichzeitig Raum um die Emotionen der Gäste einzufangen. Welche Punkte finden wir im Bild?

Richtig. Die Gesichter der Damen ergeben 3 Punkte und damit eine Linie von Links nach Rechts. Die 4 Ecken das Rahmen zeichnen ein Rechteck. Klasse! ;-)
Damit der Hintergrund nicht zu stark den Vordergrund überlagert, arbeite ich mit Blende 4 und Brennweite 85mm. Der Fokus richtet sich auf die Gesichter und der Hintergrund fällt damit in die Tiefenunschärfe. Den Effekt der Unschärfe würde man noch verstärken, in dem man eine höhere Brennweite oder eine offenere Blende verwendet.
Resultat mit einem Canon EF 24-105mm 4L bei 85mm und Blende 4:

Ich hoffe die Hilfe hat den eigenen Blick für die Komposition von Linien etwas geschärft und über Kommentare oder Bildantworten würde ich mich freuen!
Übrigens ...
Gestaltet eure Bilder immer so, das unser Gehirn nicht "um die Ecke denken muss".
- Stefan -
http://twitter.com/nafets2 -
September 26, 2009, 3:40 pm
- Carsten -
http://cbrueggenolte.de -
October 3, 2009, 6:39 pm
Einen Kommentar hinzufügenHallo,
ich bin über Happy Shooting auf Deinen Blog aufmerksam geworden. Der Artikel ist Dir gut gelungen. Die Adresse Deines Blogs habe ich abgespeichert und werde mir ihn gründlich vornehmen.
Danke für die Arbeit.
Hallo,
mir gefällt dein Beitrag richtig gut. Und wenn ich dann so meine eigenen Bilder nochmal angucke, macht das schon alles Sinn.
Und wie auch der Stefan, bin ich über Happy-Shooting hier auf deine Seite aufmerksam geworden. Toll.
mfg Carsten