Mit einem Lachen durch den Winter
16. January 2012Den Winter brauchen wir nicht. Er kann ruhig oberhalb 1.000m bleiben. Dort wo die Snowboarder den Powder suchen. ;-)
Dresden liegt im Tal auf günstige 300m ü.d.M. und damit verschont uns Frau Holle mit den weißen Flocken. Das bedeutet, wir können auch bei 0° mit der Kamera raus. Juhu!
Heute begleiten mich zwei Frauen: Jenny, sie strahlt uns bereits oben im Headerbild an UND die Canon 100mm 2.8L. Tja und was soll ich sagen? Frau Nr. 2 macht meiner Canon 50mm 1.4 mächtig Konkurrenz, weil die Abbildungsleistung das Beste ist, was Canon aktuell verkauft. Festbrennweite halt.
Wie immer ging es spontan in den Großen Garten und beide Frauen machen ihre Sache richtig gut. Jenny ist nach gefühlten 5 Minuten in ihrem Element ;-) und Frau Canon schnurrt mit ihrem saufixen Autofocus, als würde man eine Katze streicheln. Vom Großen Garten wechselten wir zur VW Manufaktur, wo der oben abgebildete Schilf steht. Kleiner Tipp: Man kann das Model wunderbar im Schilf positionieren und man selbst steht davor. Zwischen Model und Objektiv stören keine Büschel und man kann das Bild wunderbar aufbauen.
So, nun aber: Lächeln aufsetzen und weg mit dem Winter! ;-)
Die andere Seite eines Menschen
02. October 2011Die Gesellschaft hat sich gerade in den letzten 10 Jahren sehr stark durch das Fernsehen verändert. TV-Formate wie DSDS, X-Factor oder Frauentausch vermitteln uns den Eindruck, dass es nur zwei Ideale in unserer Gesellschaft geben kann: Fremdschämen und Stars&Sternchen. Beide Ideale werden scheinbar durch massenhafte Charaktere bedient und sind alle auf eine kurze Halbwertszeit ausgelegt. Kann sich noch einer an den Gewinner der x. DSDS- / Big Brother-Staffeln erinnern? Antwort bleibt Offen.
Was ich damit eigentlich einleiten möchte, ist, dass all diese Charaktere dem gleichen Schema folgen: Sie sind einfach zu durchschauen, lassen sich wunderbar in eine Schublade stecken und sind käuflich. Diese Menschen zeigen nicht wie sie wirklich sind, wie sie leben oder wie sie sich Herausforderungen stellen und sie meistern. Eine andere Theorie wäre, dass, nach dem Willen der privat aggierenden TV-Sender, die andere Seite der Menschen uninteressant / nicht vermarktbar ist.
Als Fotograf ist man mit einem offenen Auge unterwegs. Man studiert die Menschen und sucht nach denen, mit denen man neue Herausforderungen angehen kann. Ehrlich, offen und mit einem Interesse an einem Ergebnis (Wert). Erzeugt Dieter Bohlen einen Wert für die Gesellschaft? Eher wird der Wert seiner Bankkontos größer und die Gesellschaft noch blinder.
Symbolisch für die andere Seite eines Menschen ist dieser Rücken. Er drückt etwas aus. Was will er uns sagen? Was hat das Tatoo für einen Hintergrund? Es bleibt spannend und genau das ist die Geschichte an diesem Bild: Wir fangen an zu denken.
Mal schauen was hinter dem Rücken für eine Geschichte steht. Eine tolle Frau. Der Rest bleibt offen.
Reportage: Lahmann Sanatorium (Dresden)
05. September 2011Das Lahmannsche Sanatorium (Link dresdner-stadtteile.de) auf dem Weißen Hirsch, kennt eigentlich jeder Dresdner. Man fährt die Bautzner Straße stadtauswärts, schlängelt sich über die Mordgrundbrücke den Hirschberg nach oben und linksseitig eröffnet sich die Dresdner Heide mit dem Areal des Sanatoriums.
Leider machte das ehrwürdige Haus mit seinen vielen Nebengebäuden nach der Wende eher unpopuläre Schlagzeilen. So bemühten sich viele Investoren erfolgs- und konzeptlos um den Schatz des Dresdner Nordes. So kam es zu der traurigen Gegenwart die ich heute darstelle und die nur wenig Erwürdiges aus der Vergangenheit in sich trägt.
Zur Geschichte wie es zu der Gegenwart kam. 1887 und Kälte eröffnete Heinrich Lahmann das Sanatorium mit damals revolutionären Methoden zur Steigerung des Wohlbefindens. Er definierte noch heute gültige Standards im Bereich der Kleidung, des Sports und der gesundes Ernährung nach dem Grundsatz “Medicus curat, natura sanat” was sinngemäß “Der Arzt behandelt, die Natur heilt” bedeutet.
Bis zum 2. Weltkrieg besuchten rund 54.000 Kurgäste, darunter u.a. Heinz Rühmann den Weißen Hirsch. Dadurch erlangte der damals noch eigenständige Stadteil einen Ruf, der über die Grenzen Deutschlands bekannt und geschätzt war. Nach dem Sieg der Alliierten übernahm die rote Flagge der Sowjetunion die Führung des Geländes und trotz das dass Areal von den russischen Freunden nicht umgebaut wurde, verfielen die Gebäude (z.B. Herrenbad siehe oben) zusehens. Letztendlich nagt die Natur mit ihren starken Einflüssen an Wänden und Dächern, so dass bereits vieles abtragen werden mussten.
Ein bekanntes Wohnbau-Unternehmen aus Dresden bzw. der Chef hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das Sanatorium wieder aufleben zu lassen. Es soll die Gegenwart mit der Vergangenheit verbunden werden. Man ließt von einem Generations-Mix der in Neu- und Altbauten einziehen soll. Heute kann man sich das noch gar nicht vorstellen, den von den einst vielen Gebäuden sind heute gerade einmal noch vier freistehende Gebäude. Diese allein wieder zu erwecken bedard es viel Kraft und finanzielle Mittel. Dennoch ist das Konzept hochinteressant, gerade für die “Hirscher” wie sich die Bewohner des Weißen Hirsches nennen.
Aus diesem Grund konnte der Verschönerungsverein des Stadteils an drei Tagen hintereinander jeweils über 300 Gäste zu einem kulturellen Festspiel empfangen. Ziel war es die Vergangenheit in die Gegenwart zu holen – mit alten Charaktären die Geschichte des Sanatorium erzählen. Gunther Emmerlich als Lahmann selbst, Opern- und Kammersänger als Ärtze, Gärtner und Kurgäste sowie eben die noch vier erhaltenen Gebäude (Heinrichshof, Speisesaal, Natura sanat und das Herrenbad) als Kulisse.
Nach 3 Stunden Schauspiel nimmt man Abschied von der Vergangenheit. Man ist froh das man diesen Einblick erleben durfte, aber man ist auch ernüchtert von der Gegenwart des Mythos “Lahmann Sanatorium”, welches rund 40 Jahre für die Öffentlichkeit nicht zugänglich war. Ich wünsche dem Projekt Erfolg, Glück und Ausdauer!
Auf dem Blog von Holger John findet man noch Bilder von Gebäuden die leider nicht mehr stehen.


